Restaurierungstagebuch – Virus‘ DKW Hummel

DKW Hummel Standard – BJ 1961, 1.8 PS

Vor 5-6 Jahren, bei einer Geburtstagsfeier im Familienkreis, sprach mich mein Neffe an: „Rudolf, du bist doch auch bei den Moped’lern, gell?“ „Warum?“, fragte ich ganz neugierig. „In der Scheuer steht noch das Moped vom Opa, kann man da noch was draus machen?“, fragte der Neffe. „Ja immer doch“, meinte ich…. „Ach, die alte DKW Hummel, die steht da schon seit Ewigkeiten rum, die ist doch total verrostet. Des kann’sch vergessa!“, meinte der Schwager.

Mein Ehrgeiz war geweckt! Unterlagen waren bald zusammengesucht, aber die Zeit war einfach noch nicht reif für das Projekt. Meinen Neffen habe ich immer wieder angesprochen: „Komm, wir richten das Moped, der Opa würde sich freuen. Ist es denn noch da?“ Wie wir alle wissen, landet manches „Altmetall“ beim Schrotthändler auf dem Wagen und ist für immer verloren. 

Doch ich hatte Glück, bald war die Zeit gekommen! Es geschah mal wieder bei einer Geburtstagsfeier im Familienkreis im Frühjahr dieses Jahr. Am 13. Mai 2017 haben wir uns dann verabredet, das „Gute Stück“ aus dem hintersten Winkel der Scheuer zu zerren. Stroh, Spinnweben und eine dicke Staubschicht haben alles konserviert. Das Moped war wirklich mit Lettendreck überzogen. Diejenigen, die sich in Calw-Stammheim auskennen und zur Jugendzeit Moped gefahren sind, wissen, wovon ich rede. Entweder waren wir auf dem Truppenübungsplatz oder im Steinbruch auf der Nille unterwegs. So scheint’s der kleinen Hummel auch ergangen zu sein: Gerade noch Motocross durch Schlamm und Dreck gefahren, und dann einfach so in der Scheuer abgestellt.
Mein Neffe meinte nur: „Gell des isch Schrott, do kann mer nix mehr machen!?“ Von wegen! Erst schauen wir mal, und dann……

Moped grob gereinigt

Typenschild

Um den Transport zu mir nach Hause zu erleichtern, haben wir den Motor ausgebaut. Ja ja, die jungen Leute… trotz Metallausbildung war der Neffe überrascht, warum 11er und 14er Schraubenschlüssel oder Nuß zum Einsatz kamen. Tja, es gab Zeiten da war das, was heute Schlüsselweite 10 und 13 ist, eben 11 und 14. Man soll ja auch was dabei lernen!

Ohne Motor und ziemlich nackt
15.07.2017 – Es geht los

Ich habe zunächst die Fehlteile und Neuteile gelistet, also alles was neu gemacht werden muss oder zu ersetzen ist. Die Kosten lagen bei ca. 600€.  Damit sich Kosten nicht weiter erhöhen wurden Stoßdämpfer und alle anderen Teile, die noch in Ordnung waren, wieder verwendet. So auch die originalen Ribe Schrauben in 11 und 14. Die Demontage aller Anbauteile war einfach und alle Schrauben ließen sich dank WD40 doch öffnen. Bis auf die Schwingenlagerachse, die war auf 10 cm festgerostet. Die Achse war weder durch Warmmachen noch mittels sanfter Gewalt zur Zerlegung bereit. Also habe ich kurzerhand den Schraubenkopf und die Mutter abgesägt. Dadurch war die Schwinge schon mal frei. Der Schwingenlagerausbau ging nur mit Hitze und großem Hammer, und es war klar, dass das so nicht wieder zusammengebaut werden kann.

Schwingenlager
30.05.2017 – Letzte Arbeiten vor der Sommerpause 

Der Vergaser wurde ultraschallgereinigt, die Räder ausgespeicht und die  Rahmenteile wurden zum Sandstrahlen weggegeben. In den Urlaub bin ich dann auch gefahren…. (ohne Hummel)

26.07.- 26.09.2017 – Große Fortschritte

Die Teile kamen vom Sandstrahlen zurück. Der Tank wurde entrostet und entfettet. So wie das Moped außen aussah, sah auch das Innere des Rahmentanks aus – dreckig und voller Schmutz. Der Tank wurde von innen gereinigt, und versiegelt. Die Blechteile bekamen eine Acrylgrundierung. Leider musste ich länger auf den 2K Lack warten. Die Originalfarbe nannte sich „Lagoblau“. Ich habe Standard RAL 5012 „Lichtblau“ als Referenz genommen, das ist etwas heller aber dafür rund 80€ pro Liter günstiger.
Ich habe grundiert, geschliffen, grundiert, geschliffen… grundiert….
Dann kam die Farbe drauf, danach habe ich schön die Linien gezogen und Klarlack drauf gegeben.

Lackierarbeiten im Freien

Nach der Lackierung
26.10.2017 – Räderkunde

Ich habe die Achsen und Naben wieder zusammengebaut und neue Kugeln eingesetzt. Dann wurden die Räder eingespeicht. Unser Clubkamerad Reiner Burkhard, ein wahrer Meister der Zentriermaschine und Radspannkunst, hat in nur zwei Tagen beide Räder eingespeicht und alles fertig gemacht! An dieser Stelle nochmals ein herzliches „Dankeschön“, lieber Reiner! Am Dienstag nach dem Clubabend um 00:30 Uhr habe ich noch schnell die
Felgenbänder drauf gemacht, Schlauch und Mäntel montiert und Luft reinmacht.

Fertig eingespeicht
03.11.2017 – Ein Rückschlag

Die letzten Lackarbeiten mit Klarlack wurden vorgenommen. Dann habe ich die Hummel zusammengebaut und dabei den originalen Benzinhahn zu neuem Leben erweckt. An dieser Stelle erlitt ich einen Rückschlag, da der Kupplungshebel aus Zink-Aluguss ausgebrochen war. Ein Ersatzteil wollte sich im ganzen Internet partout nicht finden. Das Projekt stand tatsächlich auf der Kippe….. Im nächsten Schritt habe ich die Schwingenlager durch Lagerbuchsen aus Bronze ersetzt und 10mm Achse mit Seegerringen gesichert. Was mach ich bloß mit dem Kupplungshebel?

12.12.2017 – Kameradschaftshilfe

Wie schon beim Einspeichen der Räder konnte ich erneut auf die Hilfe eines Clubkameraden zählen! Günter Schneider (Steine) hat einen Kupplungshebel „aus dem Vollen“ gefräst. Passt!! Steine, vielen Dank nochmals!!

13.12.2017 – Sitzgelegenheiten

Herausforderung „Neue Satteldecke montieren“: Wenn man weiß wie es geht, ist das eine Sache von 10 Minuten.  Wenn nicht, dauert es Stunden…. Zwei Zentimeter neues Gummi, die fehlen, um den Spannrahmen einzuhängen, können dich zur Verzweiflung bringen….

15.12.2017 – Endspurt

Letzte Arbeiten wurden durchgeführt und alles nochmals überprüft. Ich habe alle Schraubverbindungen nachgezogen und dann der Kleinen eine neue Zündkerze spendiert. Von Bernd (Jimmy) noch schnell SAE 80er Getriebeöl geholt und rein damit. Mischung 1:25 in den Tank nachgefüllt….
Benzinhahn auf, Pedale durchgetreten und…. Pöff, Puff, Pöff, Puff, Pöff…… Sie läuft wieder wie ein „Schweizer Uhrwerk“! Und das nach 36 Jahren in der Scheuer – das Mopedkennzeichen, das dran war, war von 1981.

Ist sie nicht schön?

Fertig restauriert
17.12.2017 – Fazit

Und wieder habe ich einem Mopedoldtimer ein „Neues Leben“ geschenkt. Die Restaurierung der Kleinen hat unheimlich Spaß gemacht.  Weihnachten kann kommen!

Calw, im Dezember 2017
Rudolf Haußer (Virus)

 

4 Gedanken zu „Restaurierungstagebuch – Virus‘ DKW Hummel“

  1. Hallo Rudolf, ich bin auch gerade dabei meine Hummel zu restaurierte. Nun mal eine Frage: Wie hast du die weißen Linien gezogen?
    Gruß Daniel

    1. Hallo Daniel,
      ich habe vor der Restauration die Maße über Beginn und Ende, sowie die Breite ausgemessen. Nach der Grund-Farbe habe ich die Punkte mit einem Bleistiftpunkt gesetzt und habe mit Kurvenband die Linen (Außenseite) abgeklebt. Mit weißer 2K-Farbe und weichem Haarpinsel, versucht mit einem Strich durchzufahren, danach sofort das Kurvenband abgezogen damit die Seiten verlaufen können und keine Kante geben. Ich bin kein Maler/Lackierer aber wenn man zwei -dreimal gemacht hat wird das Ergebnis durchaus ordentlich.
      Grüße Rudolf

  2. Hallo!
    Ein schöner Bericht den ich gerade aufmerksam gelesen habe!
    Da ich mir heute eine Hummel 113 gekauft habe suche ich nun im Netz nach Informationen über das gute Stück.. ich glaube vom Zustand her ist meine noch etwas schlimmer dran als ihre..
    Sie schreiben von einem Verein? Gibt es was ähnliches das bekannt ist im Saarland?
    Viele Grüße,
    Manuel Berger

    1. Guten Morgen Manuel,

      vielen Dank für deine Nachricht. Und herzlichen Glückwunsch zum neuen Gefährt! Ja, wir sind ein Motorrad Veteranen Club und kümmern uns um alle Fragen rund um die Restaurierung von alten Motorrädern und Mopeds. Natürlich kommt auch die Kameradschaft nicht zu kurz und wir organisieren auch Ausfahrten und Workshops. Ich weiss nicht, ob es in deiner Nähe einen ähnlichen Club gibt, am besten du googelst mal nach einem entsprechenden Verein.

      Viele Grüsse,
      Marco

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